Darum die Initiative.

Ausgangslage

Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist in einem beunruhigenden Zustand. Ihre Versorgung im Kanton Zürich ist nicht ausreichend und die Prävention ungenügend.

«Noch nie waren die Kollegen so gefordert wie jetzt. In den Kliniken, in den Praxen, in den Schulen.»
Dr. Matthias Köster
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie
«Eine solide Schülergesundheit ist das Allerwichtigste, damit eine Schule überhaupt funktionieren kann.»
Daniel Kachel
Geschäftsleitung Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband ZLV

«Was willst du machen? Du bist 5 Monate auf der Warteliste. Und es geht immer mehr abwärts in dieser Zeit.»
Emil Helbling (18)
Betroffener
«Ohne Prävention werden wir in der nächsten Krise wieder doppelt so viele Notfallkonsultationen haben.»
Barbara Schmid-Federer
Vizepräsidentin Pro Juventute, Alt-Nationalrätin

4 gute Gründe

01

Klare Studienlage

Die wissenschaftliche Studienlage ist eindeutig: Wir haben ein gravierendes Problem bei der Prävention und der Versorgung psychischer Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen. 

UNICEF Studie (2021)

Die Studie wurde zwischen 2021 von der Unisanté im Auftrag von UNICEF durchgeführt. Die Ergebnisse sind alarmierend. So ist ein Drittel der 14- bis 19-Jährigen in der Schweiz von psychischen Problemen betroffen. Jeder elfte Jugendliche hat schon versucht, sich das Leben zu nehmen. 

Um die psychische Gesundheit von Jugendlichen nachhaltig zu stärken, braucht es gemäss UNICEF vor allem Investitionen in die Sensibilisierung und Prävention.

Zur Studie

Obsan-Bulletin (2022)

Im Auftrag des BAG veröffentlicht das Schweizerische Gesundheitsobservatorium Obsan regelmässig Berichte zur psychischen Gesundheit in der Schweiz.

Das Bulletin 2022 zeigt auf:

  • Seit Pandemiebeginn berichten mehr Personen von erhöhter psychischer Belastung. Bei den Jungen hat sich der Anteil der Betroffenen zwischen 2017 und 2020/2021 mehr als verdoppelt.
  • Seit 2012 nehmen die psychiatrischen Hospitalisierungen von Kindern und Jugendlichen kontinuierlich zu. Diese betrifft insbesondere Mädchen und junge Frauen mit Depressionen.
  • Hospitalisierungen aufgrund eines mutmasslichen Suizidversuchs haben bei Kindern und Jugendlichen seit 2017 deutlich zugenommen (+55 %) – insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen (+ 67 %).
Zum Bulletin

Umfrage Uni Basel (2020)

An der Umfrage im Rahmen der Swiss Corona Stress Study der Universität Basel haben sich über 11’000 Personen aus der gesamten Schweiz beteiligt.

Während der Anteil von Befragten mit schweren depressiven Symptomen vor der Pandemie 3 Prozent betrug, stieg er im November 2020 auf 18 Prozent an. Besonders stark betroffen, sind junge Leute: Die Häufigkeit schwerer depressiver Symptome beträgt bei den 14–24-Jährigen 29 Prozent.

Zur Umfrage

Studie ZHAW (2020)

Im Auftrag des BAG hat die Zürcher Fachhochschule ZHAW die psychische Gesundheit in der kinder- und hausärztlichen Versorgungspraxis untersucht. 

Gemäss der Studie sehen Kinder- wie auch Hausärztinnen und -ärzte einen grossen Bedarf im Themengebiet psychische Gesundheit und sind auch motiviert, hier Verbesserungen zu erreichen.

Zur Studie

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie UZH (2022)

Die Universität Zürich führt derzeit eine Studie über die psychischen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Jugendliche und ihre Eltern durch. Insgesamt wurden 1627 junge Erwachsene und 1146 Eltern und Kinder befragt.

Die Studie zeigte erhebliche Belastungen, die von jungen Erwachsenen wahrgenommen werden, und Symptome psychischer Störungen, insbesondere unter Frauen im Anschluss an den ersten Covid-19 Lockdown in der Schweiz. Die detaillierten Ergebnisse der Studie werden derzeit vom Journal of Environmental Research and Public Health begutachtet und demnächst veröffentlicht.

Zur Studien-Website

Pro Juventute Corona-Report (2021)

Die Beratungszahlen von Pro Juventute im Corona-Report 2021 zeigen, wie sehr die Coronakrise die jungen Menschen getroffen hat. 

So stehen mit der Beratungsstelle „147“ von Pro Juventute täglich 700 Kinder und Jugendliche in Kontakt, pro Tag sind es 7 Kontakte zu Suizidgedanken. 2020 waren es noch fünf pro Tag, vor der Pandemie noch 3-4 Beratungen am Tag.

Zum Report und zum Update

Wellcome Global Monitor: Mental Health (2020)

In einer weltweiten Studie der gemeinnützigen Treuhand „Wellcome Trust“ aus 2020 zur mentalen Gesundheit bejahten 1 von 5 der gesamthaft 120’000 Teilnehmenden, einmal im Leben bereits an Depressionen oder Angstzuständen gelitten zu haben.

Zur Studie

Todesursachenstatistiken (2020 / 2022)

2020 veröffentlichte das Bundesamt für Statistik BFS die Todesursachenstatistik 2018. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen waren Suizide neben Unfällen die häufigste Todesursache. Suizidgedanken stehen oftmals in Zusammenhang mit einer Depression; etwas mehr als die Hälfte der Personen mit Suizidgedanken weisen Depressionssymptome auf.

Zur Medienmitteilung

2022 wurde die Statistik für das Jahr 2020 veröffentlicht. Über die gesamte Bevölkerung betrachtet hat die Zahl der Suizide abgenommen. Hingegen wurden bei unter 25-jährigen Frauen mehr Fälle gezählt als in den Vorjahren und bei jungen Männern blieben die Zahlen ebenfalls unverändert. Zugenommen hat bei jungen Frauen auch die Zahl der Hospitalisierungen aufgrund mutmasslicher Suizidversuche.

Zur Medienmitteilung

Forschungsbericht BAG (2021)

Eine Studie im Auftrag des BAG ergab, dass Kinder und Jugendliche von den psychischen Folgen der Pandemie deutlich stärker betroffen waren als andere Altersgruppen. 

Die Zunahme von Behandlungsanfragen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie habe die bereits vor der Pandemie problematische Unterversorgung noch akzentuiert. Angesichts des Anstiegs des Behandlungsbedarf im Zusammenhang mit Suizidgedanken und Suizidversuchen bei Kindern und Jugendlichen seien Massnahmen zur Schliessung von Versorgungslücken sowie Anstrengungen im Bereich der Suizidprävention dringlich, so die Autoren der Studie.

Zur Studie
02

Dringender denn je

Die Kinder- und Jugendpsychiatrien waren bereits vor der Covid-19-Pandemie überlastet. Nun hat sich die Lage nochmals drastisch verschärft. Heute warten Kinder und Jugendliche im Schnitt 6 Monate auf einen Termin bei einer Psychiaterin oder einem Psychiater

Viele Fachpersonen verlassen den Beruf, was die Versorgungslage der Kinder- und Jugendlichen immer schwieriger gestaltet. Das Fachpersonal muss endlich bessere Arbeitsbedingungen erhalten, damit auch in 10 Jahren noch genügend Personal vorhanden ist.

03

Kosten sparen

Prävention ist die effektivste Problembekämpfung. Jeder investierte Franken in die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen bringt längerfristig einen Return on Investment von 4 Franken (Quelle)! Dies aufgrund erhöhter Produktivität und tieferen Gesundheitskosten.

Die Initiative fordert die Implementierung und den Ausbau präventiver Angebote, welche es heute im Kanton Zürich nur sehr spärlich gibt.

04

Untätigkeit der Politik

Bereits heute wären Kanton und die Gemeinden laut Kantonsverfassung dazu verpflichtet, für eine ausreichende Gesundheitsversorgung zu sorgen. Die Politik handelt bisher jedoch nicht.

Mit der Initiative wird sich dies ändern. Die Politik wird verpflichtet, Lösungen zu erarbeiten und die notwendigen Massnahmen zu ergreifen. Da die Initiative als Allgemeine Anregung abgefasst ist, hat die Politik dabei maximale Handlungsfreiheiten, um das Problem ganzheitlich zu lösen. 






Häufige Fragen

Was fordert die Initiative?

Gefordert wird eine qualitativ hochwertige und ausreichende Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher innerhalb von 4 Wochen.

Weiter wird der Kanton zu mehr Prävention verpflichtet. Ein weiteres Ziel ist die Enttabuisierung der psychischen Krankheiten.

Mehr zur Initiative.

Wann kommt die Initiative?

Startschuss ist der 26. August 2022. Innerhalb von sechs Monaten müssen mindestens 6’000 gültige Unterschriften gesammelt werden. Wann und ob die Initiative an die Urne kommen wird, ist abhängig vom politischen Prozess. Die Zeitspanne beträgt 18 bis 36 Monate.

Hier kannst du unterschreiben.

Durch die Annahme der Pflegeinitiative wird sich die heutige Situation doch ohnehin bald verbessern.

Die Pflegeinitiative betrifft das Pflegepersonal. Der chronische Ärztemangel, insbesondere in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wird nicht thematisiert. Zudem ist die Prävention ebenfalls nicht enthalten.

Warum werden nicht weniger als vier Wochen bis zur Behandlung gefordert?

Bei Patient:innen mit leichten Symptomen kann eine Wartezeit helfen, sich über die eigenen Probleme Gedanken zu machen.

Wichtig zu verstehen ist, dass sich psychisch erkrankte Personen am Ende selbst “heilen” müssen, weswegen eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst ein zentraler Bestandteil der Heilung ist. Ebenso wichtig ist aber auch, dass erkrankte Personen bei der Genesung unterstützt werden. 

Führt die Initiative nicht zu höheren Kosten und Krankenkassenprämien?

Bereits heute verursacht die Unterversorgung und die fehlende Prävention hohe Gesundheitskosten. Eine frühzeitige Behandlung kostet deutlich weniger als eine intensive und längerfristige stationäre Behandlung. 

Jeder investierte Franken in die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen führt längerfristig zu einem Return on Investment von 4 Franken (Quelle)!

Gibt es nicht schon genug präventive Massnahmen?

Da es sich bei der psychischen Gesundheit und ihrer Erkrankung um ein gesellschaftlich unbekanntes Problem handelt, braucht es mehr Prävention. Viele Leute wissen gar nicht, dass Hilfe und Anlaufstellen existieren.

Je früher jemand Hilfe erhält, desto einfacher und günstiger ist die Behandlung.

Wieso behandelt die Initiative nur Kinder und Jugendliche? Was ist mit den Erwachsenen?

Zugegeben: Auch die Versorgung der Erwachsenen ist ungenügend. Jedoch sind die Missstände in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie leider massiv prekärer als in den Institutionen für Erwachsene. 

Ziel muss es sein, dass weniger Kinder und Jugendliche psychisch erkranken oder aber diese rasch behandelt werden. Von gesunden Heranwachsenden profitieren nämlich auch die Erwachsenen-Institutionen.

Was bringt eine Allgemeine Anregung ohne konkrete Vorschläge?

Die Politik handelte bisher mangels gesellschaftlichem Druck nicht. Eine Initiative ist das stärkste Mittel der Stimmbevölkerung, um auf die politische Agenda unmittelbar Einfluss zu nehmen.

Aufgrund der Vielschichtigkeit und Komplexität des Problems erachten wir die Allgemeine Anregung als das richtige Instrument. Heute scheitern viele Volksinitiativen an Partikularinteressen und Streitigkeiten um Details im Initiativtext, während das Kernanliegen untergeht. Bei der Allgemeinen Anregung stehen der Politik alle verfügbaren Lösungsansätze offen. Das ermöglicht eine Debatte ohne Ausreden, Ablenkung und Populismus. 

Der Regierungsrat investiert doch bereits 7.9 Mio. Franken. Genügt das nicht?

Die Gelder beschränken sich aktuell auf die Jahre 2021 und 2022. Der Grossteil dieses Geldes dient zur reinen Kostendeckung. Der chronische Personalmangel und die fehlende Prävention wird nicht thematisiert. 

Euch geht es gar nicht um die Kinder und Jugendlichen. Ihr nützt die Situation einzig für Wahlkampfzwecke aus.

Nein.

Die Motivation hinter der Initiative liegt im Umfeld unserer Mitglieder. Bei den Freundinnen und Freunden, die Hilfe bräuchten, aber keine bekommen. 

Als Jungpartei sehen wir uns als Vertretung der jugendlichen Interessen und möchten jenen Gehör verleihen, die heute nicht gehört werden.